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Hamcha-Interview mit Leander Sukov

Hamcha.de ist eine Interview-Seite. Das allein ist ein großes Verdienst. Mit Ausdauer und den richtigen Fragen stellt Heinz Michael Vilsmeier den Interview-Part...

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Erich-Köhler-Reihe

Wir wollen ihn komplett!Erich Köhler gehörte zu den herausragenden Autoren der DDR. Seine Romane und Novellen, seine Sprache und die mit ihr auf mehreren Ebenen...

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Franz Josef Degenhardt: Die Werkausgabe

Werkausgabe Franz Josef Degenhardts erscheint im Kulturmaschinen VerlagNicht nur als Chansonnier und Liedermacher hat Franz Josef Degenhardt große Erfolge feier...

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Todesangst und Überleben
pfaffenzeller todesangst cover800 96Traumatisiert, der Hölle entronnen und verloren in der Welt, so stellt sich die Lebenssituation vieler Flüchtlinge dar. Die Ärztin Marlene Pfaffenzeller hat mit den Opfer von Folter und Krieg gearbeitet. In einem packenden Buch beschreibt sie ihre Eindrücke und das Leiden der Opfer.

Marlene Pfaffenzeller hat Opfer von Folter und Misshandlungen in der Türkei, Südamerika und Ruanda getroffen und sie von ihren Gewalterfahrungen berichten lassen. Sie knüpft damit an die Arbeit in ihrer neurologisch-psychiatrischen und psychoanalytischen Praxis in Berlin an, in der sie nahezu 30 Jahre lang traumatisierte Flüchtlinge behandelt hat.

»Ich habe mich am Tag im Wasser zwischen den Papyrus-Pflanzen versteckt und bin nachts weiter gefl ohen. Ich bin mit anderen Menschen gefl ohen und bin dabei oft auf Milizen getroffen, die Granaten geworfen oder mit Gewehren das Feuer eröffnet haben. [...] Ich bin immer weiter gelaufen und habe viele Tote und Verwundete gesehen. Die Flüchtenden konnten einander nicht helfen. Viele Kinder konnten nicht schnell genug laufen und wurden getötet. Ich habe nicht nachgedacht; wenn hinter mir Menschen getötet wurden, habe ich nur gedacht, es war seine Zeit, wann wird meine Zeit kommen? Ich habe nichts gefühlt, ich war wie ein toter Baum, ein Stück Holz.«
Auszug aus einem Interview mit D. Portraís im September 2012 in Ruanda
 
Der Schrecken dümpelt im dunklen Wasser der Häfen
Folterschiffe. Und es kreuzen sich die Kurse.

waltermuelichVierzig Jahre nach der Errichtung der Militärdiktatur in Chile folgt das Buch „Kreuzende Kurse“ Fahrten der Viermastbark Esmeralda, die aus Valparaíso kommend deutsche Seehäfen an Nord- und Ostsee anläuft. Im Sommer 1973, vor dem Putsch noch, besuchte sie Warnemünde. Hier wurde sie als Symbol der Verbundenheit der DDR mit der Volksfrontregierung Salvator Allendes begrüßt. Doch im Herbst desselben Jahres diente sie im Hafen von Valparaíso als Folterschiff. 2003 dann lag sie in Bremerhaven just an der Kaje, an der 1933 ein ehemaliges Minensuchboot von der SA als Verhör- und Folterboot eingesetzt wurde. Gespensterschiff nannte es die Bevölkerung.

Die Kurse kreuzen sich.

KM Kreuzende Kurse 140919 COV v09 U1Im Kielwasser der Esmeralda verbinden sich Wege und Schicksale der vielen Opfer und Täter. Ihre Namen, wie der des deutschen Kommunisten Karl Salomon und des chilenischen Sozialisten Luis Vegas werden ebenso genannt, wie der des ehemaligen SS-Standartenführers Walther Rauf, der in beiden Ländern aktiv war.

Dieses Buch ist ein umfassend recherchiertes und sehr anschaulich geschriebenes Sachbuch – wenn es auch kein wissenschaftliches Werk im herkömmlichen Sinn ist. Walter Mülich führt den Leserinnen und Lesern durch seine schonungslose Beschreibung die Verbrechen und die Schicksale der Opfer vor Augen. Bücher wie „Kreuzende Kurse“ leisten einen ganz wesentlichen Beitrag zu unser aller Aufgabe, die Werte unserer Demokratie zu achten, sie schützen und wertzuschätzen.
(Aus dem Vorwort des Bremerhavener Oberbürgermeisters Melf Grantz)

Walter Mülich, geboren 1950, studierte Rechtswissenschaft sowie Deutsch und Geographie (Lehramt). In Niedersachsen, wo er bis 2012 lebte, war er als didaktischer Leiter einer Gesamtschule und als Ratsherr tätig. Mülich ist überdies Autor verschiedener Beiträge zu geographischen und pädagogischen Themen. Er lebt in Dresden.
 
Jutta Schubert: Eine Liebeserklärung an George Tabori
Zwischen Sein und Spielen

taboriumschlagGeorge Tabori, geboren 1914 in Budapest als Sohn jüdischer Eltern, gestorben 2007 in Berlin, war eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten des deutschsprachigen Theaters in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wer mit ihm arbeitete, den prägte und faszinierte seine besondere Vorgehensweise während der Proben, sein Umgang mit Menschen, Themen und Texten. Er verfasste Romane und Dramen, schrieb Drehbücher, war Übersetzer in den USA und ein profilierter Theatermacher in Deutschland. Seine Flucht vor den Nationalsozialisten führte ihn über Wien und Prag nach London und schließlich in die Vereinigten Staaten. Seit den frühen 1970er Jahren zurück in Europa, blieb der Kosmopolit bei den „guten Deutschen“, wie er sie nannte, die seinen Vater in Auschwitz ermordet hatten. Er zeigte dem Publikum in seinen Inszenierungen und den eigenen Theaterstücken die Verheerungen von Rassismus, Ausgrenzung und Massenmord auf, konterkariert mit schwarzem Humor und absurder Komik.
Jutta Schubert verfolgte seine Theaterarbeit bereits als Studentin und begegnete ihm in den frühen Achtzigerjahren als Regieassistentin am Schauspielhaus Bochum unter der Intendanz von Claus Peymann. In ihren Erinnerungen an die Begegnungen mit dem großen Theatermann, dessen Wirken und Person auch ihre eigene Theaterarbeit entscheidend beeinflusst haben, zeichnet sie das Bild eines unvergesslichen Theaterzauberers.

Jutta Schubert ist freie Regisseurin und Dramaturgin. Sie studierte Literaturgeschichte und Theaterwissenschaften in Erlangen/Nürnberg und Frankfurt/Main. Seit 1987 veröffentlichte sie zahlreiche Theaterstücke, Erzählungen, Essays, Libretti und Gedichte. 2013 erschien ihr Roman „Zu blau der Himmel im Februar“ im Kulturmaschinen Verlag. Darin erzählt sie das Schicksal des Widerstandskämpfers Alexander Schmorell, des Mitbegründers der „Weißen Rose“.
 
Podewins Verfolgung
Norbert Ahrens 3Der Lateinamerikakenner Norbert Ahrens war viele Jahre als Journalist für die Deutsche Welle in Köln sowie als ARD-Hörfunkkorrespondent in Mexiko mit Schwerpunkt Lateinamerika tätig.
Der Roman „Podewins Verfolgung“ bezieht seine Spannung und Authentizität sowohl aus den persönlichen Erfahrungen des Autors wie auch daraus, dass sich die fiktive Geschichte um einen Unbekannten an realen Ereignissen orientiert.
Bei einer Reise an die Spodewin deckel shopüdspitze des amerikanischen Kontinents trifft der Auslandskorrespondent Oliver Podewin (zufällig?) auf einen geheimnisvollen Unbekannten, dem er erst nach Hinweisen seiner chilenischen Gesprächspartner und einem merkwürdigen nächtlichen Anruf seine Aufmerksamkeit widmet. Er findet bei weiteren überraschenden Begegnungen in anderen lateinamerikanischen Ländern heraus, dass der Unbekannte ein Deutscher ist, der als „Sicherheitsberater“ und Ausbilder für „moderne“ Foltermethoden nacheinander für die militärischen Geheimdienste Chiles (in den letzten Jahren der Pinochet-Diktatur), El Salvadors und schließlich Kolumbiens gearbeitet hat. Seit ihrem letzten Zusammentreffen in El Salvador ist Podewins journalistischer Jagdeifer erwacht. Er setzt sich in den Kopf diesen Mann aufzuspüren, um ihn für ein Interview zu gewinnen. Wann immer es ihm möglich ist, heftet er sich an seine Fersen und verfolgt seine Spur quer durch Lateinamerika. Er erlebt Militärs, Paramilitärs und die Guerilla in ihren verschiedenen Ausprägungen und trotz seiner Versuche, Neutralität zu wahren, wird er mit Gewalt, Hass und Terror von allen Seiten konfrontiert. Schließlich kommt es in Kolumbien zum Showdown.
Norbert Ahrens wurde 1939 in Berlin geboren und studierte Germanistik und Geschichte in Münster sowie Politikwissenschaft und Geschichte in Berlin. Ab 1975 war er als freier Journalist für Hörfunk und Fernsehen tätig. Neben Funk- und Fernsehbeiträgen liegen zahlreiche Artikel und Aufsätze in Tageszeitungen und Fachpresse vor.
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Barbara Gresslehner

IMG_3172_1aDie 1983 in Österreich geborene Schriftstellerin wohnt im Ruhrgebiet. Sie hat in Essen ihren Lebensmittelpunkt; ihre schriftstellerische Seele jedoch hat Österreich nicht verlassen. Das merkt der Leser spätestens an ihrer ganz alpenländischen Fabulierkunst. Wortreich, mit ungewöhnlichen, aber eindringlichen Satzkonstruktionen entführt sie uns in fast ganz reale Welten, die allerdings - auch darin besteht ihre große Kunst - immer etwas verschoben sind, aus dem Wirklichen ein kleines Stück ins Irreale verrückt.

Bizarr sind ihre Geschichten und werden doch nie trivial - eine Gefahr immerhin, die man unter der globalisierenden Bezeichnung "bizzar" vermuten darf, ohne dafür gescholten zu werden. Nein, bizarr hat hier eine ganz duden'sche Bedeutung: bi|zarr  <it.-fr.>: von absonderlicher, eigenwillig schroff-verzerrter, fremdartig-fantastischer Form, Gestalt.  Mit dieser Bedeutung, ist 'bizarr' das richtige Wort für die Geschichten Gresslehners. Gefällig sind sie dem, dem gute Sprache, ja hohe Sprache gefällt, nicht gefällig sind sie dem, der den schnellen, den einfachen Lesekick sucht. Er wird nicht fündig werden, zu sehr muss man sich einlassen auf die Art der Darstellung, auf das, was dargestellt wird - in einer niemals moralisierenden Form, ohne Wertung, als Tatsache einer - ich schrieb es schon - verrückten Welt.

Gregor Keuschnig hat in seinem bekannten und vielbeachteten Blog geschrieben (die Rezension wurde übrigens auch bei Perlentaucher verlinkt): "Erstaunlich, wie diskret das Bizarre erzählt wird; nie vulgär oder obszön. Der Leser wird auch nicht zum Zeugen oder Voyeur degradiert. Durch dieses Taktgefühl gelingt es Barbara Gresslehner, die Innen-, die Seelenwelt der Figuren besonders hervorzuholen und auszubreiten. Ihre Lust, ihre Verzweiflung. Ihr Streben nach Ausbruch – und ihre Besessenheit, die dies verhindert. Es sind Aufzeichnungen von Niederlagen. Niederlagen, von denen man jede Sekunde, jeden Augenblick fühlt und bevor man wirklich unterliegt, hat man schon viele Male verloren. Und man spürt, dass hier jemand weiss, wovon er erzählt (die Betonung liegt auf "erzählt")."

Wir, der Verlag, der dieses Erstlingsbuch herausgegeben hat, haben große Hoffnungen in die Autorin. Es braucht in einer Zeit, in der Sprache leichtfertig benutzt wird um Trivialitäten in die Bücherregale zu schreiben, Schriftsteller und Schriftstellerinnen dieser besonderen, seltenen Qualität.

 


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